Gartenneuling

Zu unserer Wohnung gehört ein kleiner Garten. In der dicht besiedelten Stadt, in der wir leben, ein Riesen-Luxus. Von unseren Vormietern wurde der Garten als Mischung aus Spermüll-Abladeplatz und Bauschutt-Halde benutzt. Ein großer Baum und eine seit Jahren ungeschnittene Hecke warfen soviel Schatten, dass primär Moos und Farne gediehen. Ein riesengroßer Bambus gab sich alle Mühe, den gesamten Garten zu erobern. Die Nachbarn parkten ihre Fahrräder darin.

Bambus

Letzen Sommer haben wir den Garten noch nicht genutzt, da noch Bauarbeiten im Haus anstanden, bei denen der Garten als Lagerstätte für Baumaterial und Bauschutt gebraucht wurde…

Im Herbst wurde der große Baum gefällt und stattdessen im hinteren Gartenteil ein Unterstand für die Fahrräder gebaut; und wir haben versucht, etwas Ordnung in den Garten zu bringen. So richtig wußten wir garnicht, wo anfangen, es schien so ein endloses Unterfangen: Spermüll entsorgen. Bauschutt entsorgen. Einen Teil der Hecke schneiden. Den Bambus auf 1/3 zurückschneiden und seine ewig langen Wurzeln entfernen. Einen Busch entfernen. Die zweite Hecke schneiden. Gefühlt 100 kleine Ahornbäume mit Höhen zwischen 20 cm  und 1,50 m entfernen. Samt der langen Pfahl-Wurzeln natürlich (Der Nachbar hat einen Riesenahornbaum). Mengenweise undefinierbares wild wucherndes Grünzeug entfernen und darunter noch mehr Schutt finden. Am Ende des Jahres waren wir damit immer noch nicht fertig. Und hatten das Gefühl, der Garten werde niemals „schön“ oder „bewohnbar“.

Farn

Jetzt, mit den ersten warmen Tagen kam die Lust auf Garten wieder. Und irgendwie war es jetzt doch nicht mehr soviel: Hecke nochmal schneiden. Einen Nachmittag lang Baumaterial in den Keller tragen und Müll in die Tonnen stopfen. Die Mülltonnen an den Platz räumen, wo vorher das Baumaterial lag. Ein paar Backsteine zu einer Beetumrandung umfunktionieren. Fegen. Und auf einmal hatten wir einen Sitzplatz. Ein paar Blümchen einpflanzen. Zum Baumarkt fahren, und einen Sandkasten kaufen. Und 2 Himbeerbüsche. Pflückalat und Radieschen auf der Fensterbank vorziehen. Kopfsalat im Garten aussäen. In der Sonne sitzen und Pizza essen.

kleine Pflänzchen

Vor nicht allzu langer Zeit war ich absoluter Nähneuling. Anleitungen, in denen Fachwörter verwendet wurden, oder einzelne Arbeitsschritte nicht ausführlich erklärt wurden, waren mein Horror. Durch viele detaillierte Ebooks, mit bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitungen (Von Schnabelina, Erbsenprinzessin, Klimperklein, Luusmüüs) lernte ich nicht nur, wie das jeweilige Kleidungsstück genäht wird, sondern ich lernte auch Fähigkeiten und Vorgehensweisen. Mit zunehmender Erfahrung kam noch mehr Wissen dazu, über meine Nähmaschine, über Stoffe und ihr Verhalten…

kleines Beet

Und so wie damals, am Anfang meiner Näherei, fühle ich mich jetzt mit dem Garten. Nur dass ich die anfängerfreundlichen, detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitungen noch nicht gefunden habe. Leider. So pröttel ich vor mich hin, mache nach Gutdünken, versuche mir im Internet Wissen anzulesen, habe ein Gartenbuch bestellt. Und ansonsten probiere ich einfach aus. Eigentlich sind wir für dieses Jahr mit Allem wohl schon zu spät dran, hätten schon längst Pflanzen vorziehen und Säen müssen.Wahrscheinlich werden viele Pflanzen diese Probier-Phase nicht unbeschadet / lebend überstehen.  Und trotzdem ist es schön. So im Garten.

Lavendel

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Über naehfreundin

Noch eine Bloggerin, die näht. Hauptsächlich für's Kind. Ohne Perfektionsanspruch, oft ohne zu stecken. Mit viel Spaß und wenig Kenntnissen.

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